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Ein Norddeutscher im Exil
Ein Norddeutscher im Exil
20. Aug

Das ist der Stuttgarter Hauptbahnhof. Allerdings noch nicht wirklich – es handelt sich um ein Demonstrationsbild für das Projekt “Stuttgart 21“. Bei Stuttgart 21 handelt es sich um ein Bauprojekt, das den bisherigen Stuttgarter Hauptbahnhof ebenso betrifft wie Teile der Gleisanlagen, des Schlossgartens und der Innenstadt.
Konkret soll bei diesem Projekt der Bahnhof von einem oberirdischen Kopfbahnhof mit 17 Gleisen in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit 8 Gleisen verlegt werden. Hierfür sollen sowohl der bestehende Bahnhof teilweise abgerissen als auch große Teile des Schlossparks ausgehoben werden – unter dem Schlosspark ist der neue Bahnhof geplant, die Züge fahren ihn über ein weit verzweigtes Tunnelsystem an. In der Innenstadt würden so weiträumige Grundstücksflächen frei, die zur Zeit durch Gleisanlagen belegt sind. Gleichzeitig ist der neue Stuttgarter Hauptbahnhof als ein Teil der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Wendlingen und Ulm eingeplant. Die Unterstützer erhoffen sich nicht nur Prestige durch den modernen Bahnhof, sondern auch eine deutliche Verbesserung der Verkehrslage – unter Anderem soll der Flughafen Stuttgart von der Innenstadt aus wesentlich besser erreichbar sein.
Alles könnte so schön sein – wenn nur nicht die Bürger gegen Stuttgart 21 wären. Seit der entgültigen Entscheidung für das Projekt im Juli 2007 gibt es immer wieder Proteste, inzwischen wird sogar davon ausgegangen, dass die Mehrzahl der Stuttgarter das Projekt ablehnen. Das führte sogar dazu, dass die Grünen bei den Kommunalwahlen 2009 stärkste Kraft im Stuttgarter Stadtrat wurden. Immer wieder entstanden Bürgerbegehren, mehrfach wurde Stuttgart 21 Wahlkampfthema, und inzwischen gibt es jeden Montag Demonstrationen gegen den Abriss von Teilen des unter Denkmalschutz stehenden alten Hauptbahnhofs.
Das allein ist nicht alles: auch die Kosten dieses Riesenbauprojekts werden kritisch betrachtet. Nachdem bei ersten Schätzungen von ca. 4,8 Milliarden D-Mark (rund 2,45 Milliarden €) ausgegangen wurde, sind die Schätzungen inzwischen bei rund 4 Milliarden € angekommen – Kritiker gehen von weit höheren Kosten und von schöngerechneten Zahlen aus. Teilweise sollen die Kosten durch die anschließenden Grundstücksverkäufe das ehemalige Gleisgelände betreffend abgedeckt sein, doch auch die Kommune und das Land Baden-Württemberg steuern erhebliche Summen dazu. Somit wird eins der umstrittensten Bauprojekte der letzten Zeit zu nicht unerheblichem Teil aus Steuergeldern bezahlt.
Ein weiterer Aspekt – neben den explodierenden Kosten – ist der teilweise Abriss eines denkmalgeschützten Gebäudes. Der bisherige Kopfbahnhof wurde von 1914 bis 1928 nach den Plänen der Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer gebaut und steht seit 1987 unter Denkmalschutz. Konkretere Planungen für das Projekt Stuttgart 21 gibt es seit 1991. Zur Zeit, als das Projekt konkret angefasst wurde, stand der Stuttgarter Hauptbahnhof also schon unter Denkmalschutz. Das hat aber nichts daran geändert, dass vor Kurzem mit dem Abriss von Teilen des Gebäudes begonnen wurde.
Zu guter Letzt gibt es auch Stimmen, die die Wirtschaftlichkeit des Projekts Stuttgart 21 anzweifeln. Mit dem unterirdischen Durchgangsbahnhof soll im Vergleich zum bisherigen Kopfbahnhof die Kapazität des Bahnhofs deutlich erhöht werden – und das bei geringerer Gleisanzahl. Gleichzeitig soll die Haltezeit der einzelnen Züge deutlich reduziert werden – auf im Schnitt gut 3 Minuten pro Zug. Dies sei nach Angaben der Projektverantwortlichen nur mit einem Durchgangsbahnhof zu erreichen. Kritiker bezweifeln das: Die von den Projektverantwortlichen angegebenen Zahlen seien auch mit einem Kopfbahnhof zu erreichen oder völlig unmöglich. Es wurde sogar ein gegenentwurf zu Stuttgart 21, Kopfbahnhof 21, vorgelegt, der nach Angaben der Initiatoren einen ähnlichen Nutzen bei geringeren Kosten und gleichzeitiger Erhaltung des bisherigen Kopfbahnhofs beinhalten soll.
All diese Dinge sind Argumente, die gegen die Umsetzung von Stuttgart 21 sprechen würden: explodierende Kosten, angezweifelter wirtschaftlicher Nutzen und fehlender Rückhalt in der Bevölkerung. Nichtsdestotrotz weichen die Verantwortlichen – die Deutsche Bahn, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart – nicht von der Umsetzung ab.
Mich persönlich regt die Art und Weise auf, wie von den Verantwortlichen gehandelt wird – stur, unverbesserlich, engstirnig. Ohne Rücksicht auf Verluste soll hier ein Projekt durchgesetzt werden, mehr aus Prestigegründen denn aus wirtschaftlichen Erwägungen. Es wird hier, wie schon in diversen anderen Dingen, ein Projekt politisch gewollt, und deshalb setzt man sich teilweise sogar über geltendes Recht hinweg (Stichwort Denkmalschutz), geschweige denn, dass Bürgern Gehör geschenkt wird oder alternative Konzepte in Erwägung gezogen werden. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mich mittlerweile frage, ob auch in vielen anderen Kommunen solche Projekte, wenn politisch gewollt, gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt werden. Ich persönlich kenne auch das ein oder andere Beispiel aus meiner alten Heimatstadt.
13. Aug
Seit einiger Zeit, genauer seit die Deutsche Telekom mit Google darüber verhandelt, dass Google für bevorzugte Behandlung seines Traffics bezahlen soll, ist die Diskussion über Netzneutralität auch in Deutschland angekommen – bisher hat dieses Thema eher die amerikanischen Medien und Blogs beherrscht. Was aber bedeutet “Netzneutralität”?
Stellen wir uns das Internet mal als ein Netz von Straßen vor – für jede Einfahrt bezahlt derjenige, der diese Einfahrt verwendet, regelmäßig Geld. Einige haben größere Einfahrten als Andere, weil sie mehr Autos gleichzeitig verschicken oder empfangen. Größere Einfahrten sind natürlich teurer. Aber einmal auf den Straßen, ist jedes Auto völlig gleichberechtigt.
Jetzt sind die Straßen aber oft ziemlich voll. Mal kommt ein Auto langsam voran, mal schneller. Daran haben sich schon alle gewöhnt. Die Straßen müssen auch regelmäßig gewartet werden, auch mal ausgebaut, weil mehr Autos auf die Straßen wollen. Die Straßenbetreiber sind deshalb auf einen Trichter gekommen: Verlangen wir doch einfach von jedem, der unsere Straßen benutzen will, Geld dafür, dass sie schneller durchkommen. Wer 50 Euro pro Auto zahlt, darf mit 50 Sachen fahren, bei 100 Euro 100 km/h undsoweiter. Das hat dann zur Folge, dass Kunden des Ottoversands ihre Pakete schon innerhalb von Stunden bekommen (ihre Transporter dürfen ja mit Vollgas heizen), Kunden von einzelnen eBay- oder Dawanda-Verkäufern hingegen müssen wochenlang warten, weil die Transporter nur Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen. Diesen Unternehmen entsteht ein enormer wirtschaftlicher Schaden. Geld kommt zu Geld – kleine Unternehmer sterben aus.
So in etwa muss man sich die Überlegungen zur Zeit vorstellen – diverse Internet Service Provider in den USA und hierzulande denken mehr als laut darüber nach, die Unternehmen, die die Internetleitungen mit großen Mengen Traffic belasten, an den Kosten hierfür zu beteiligen. Als Gegenleistung würde dieser Traffic schneller befördert. Kleinere Internetunternehmen, Startups mit wenig Geld oder einfache Privatleute würden sich dann entweder horrenden Kosten für ihren Internetauftritt entgegengestellt sehen oder müssten nicht selten ihre Bude zumachen – die Kundschaft wird nämlich zu den großen drängen, die sind schön schnell erreichbar.
Ich bin der Meinung, dass dieses Szenario nicht geschehen darf. Das obige Beispiel mit dem Straßennetz stellt die Situation, denke ich, sehr gut dar. Mit Aufgabe der Netzneutralität würde eine Art Zwei-Klassen-Internet geschaffen, und die Aufnahme eines Geschäfts im Internet wäre mit Kosten verbunden, die kaum kalkulierbar sind. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass kleine private Webseiten schlechter bis gar nicht erreichbar werden – damit würde ein essentielles Mittel freier Meinungsäußerung in der heutigen Gesellschaft verloren gehen.
Ich sehe die Netzneutralität als ein Gut an, für dass es sich politisch zu kämpfen lohnt. Darum verweise ich euch an die Initiative Pro Netzneutralität. Diese unter Anderem von den Politikern Björn Böhning (SPD) und Malte Spitz (Grüne) gegründete Initiative sammelt zur Zeit Unterstützerstimmen für ein weiteres Vorgehen gegen die Aufgabe der Netzneutralität. Eure Unterstützung bekundet ihr einfach, indem ihr auf der Seite euren Namen mit in die Liste eintragt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt, wo ich diese Zeilen schreibe, sind es schon 6.670 Unterstützerstimmen.
11. Aug
Ich habe mich hier im Blog ja schon öfter als gläubiger Christ geoutet. Ich glaube an die Bibel als Gottes Wort und habe klare christliche (heute würde man sagen “konservative”) Wertevorstellungen. Und von diesem Standpunkt aus war ich auch interessiert daran, was Eva Herman denn als Kommentar auf der Webseite ihres Verlags über die Loveparade zu sagen hatte.
Unter dem Titel “Sex- und Drogenorgie Loveparade: Zahlreiche Tote bei Sodom und Gomorrha in Duisburg” beschrieb sie vor Allem, dass der Begriff “Liebe”, den die Loveparade sich ja als Motto gewählt hatte, für diese Party völlig deplaziert sei. Vielmehr sei die Loveparade ein einziger Exzess gewesen, mit jeder Menge Drogen, Alkohol und Sex. In etwa so hat sie es ausgedrückt, und ihren Unmut darüber geäußert. Bei ihren Beschreibungen musste ich unter Anderem an die Szenen denken, die beim Tanz um das goldene Kalb (vgl. 2. Mose 32) – in der Verfilmung mit Charlton Heston als Mose in der Hauptrolle wurde ein ähnlich ausschweifendes Fest beschrieben wie die Loveparade. Mose war damals sehr aufgebracht, und nur durch seine Fürbitte konnte Schlimmes vom Volk Israel abgewendet werden.
In einem der letzten Sätze erwähnt Herman, dass möglicherweise “ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen (haben), um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen” – womit sie wahrscheinlich die Massenpanik bei der Loveparade 2010 als göttliche Strafe bezeichnen wollte. Dieses Zitat, dass massenhaft durch alle möglichen Medien ging, hat mich überhaupt erst auf den oben verlinkten Text von Herman aufmerksam werden lassen. Ich störe mich etwas an Hermans Auffassung vom Wesen Gottes: sie vertritt eher einen Gott mittelalterlicher Vorstellung – einen strafenden, rachsüchtigen, wenig Gnade zeigenden Gott, der jederzeit nur auf die Gelegenheit wartet, sein Volk für seine Übertretungen zu strafen. Liebe Frau Herman, das ist nicht der Gott, den ich kenne.
Zugegeben, im Alten Testament, also zum Beispiel beim goldenen Kalb oder bei Sodom und Gomorrha, hat Gott auch gestraft. Die bekannteste Strafe ist wohl das “absaufen lassen” der kompletten Menschheit exklusive Noah und seiner Familie. Aber seit etwa 2.000 Jahren handelt Gott anders. Er bestraft nicht mehr. Warum auch – schließlich hat er in Person seines Sohnes Jesus Christus die Schuld der gesamten Menschheit, von Anbeginn der Zeit bis zum jüngsten Gericht, auf sich genommen. Gott benutzt nicht mehr die Peitsche – vielmehr ist er uns entgegen gekommen. Jesus hat – wenn man so will – durch seinen Tod am Kreuz zu jedem einzelnen gesagt: “Komm, ich stehe für dich gerade, dann ist alles vergeben und vergessen.” DAS ist die wahre Botschaft des Christentums.
Ohne Zweifel mag Gott solche – im wahrsten Sinne des Wortes – rauschenden Feste wie die Loveparade nicht unbedingt. Deshalb würde er aber nicht einen einzigen Menschen dort mehr töten oder strafen. Die Zeiten sind vorbei – wir sind im Moment in der sogenannten “Gnadenzeit”. Und Gott bietet jedem Einzelnen seine Hand, seine Freundschaft an. Es liegt an uns, ob wir diese Freundschaft annehmen.
19. Jul
Man sollte kaum glauben, aber DSDS bringt manchmal auch was Gutes hervor.