Ein Norddeutscher im Exil
Projekt 42: Käfer
Projekt 42 geht in eine neue Runde, diesmal das Thema:
Käfer
Von “Käfer” bin ich über “Bugs” zum Film und Buch “Starship Troopers” gekommen. Ich habe schon einmal das Buch hier im Blog rezensiert, an dieser Stelle kam mir die Idee, einmal genauer auf die Unterschiede zwischen dem Buch und dem Film einzugehen.
Das Buch, um gleich mit dem größten Unterschied anzufangen, behandelt eine wesentlich größere Zeitspanne als der Film. Während der Film lediglich die Grundausbildung und den (im Film wesentlich schnelleren) Aufstieg des Hauptcharakters Johnny Rico und die Ereignisse auf “Planet P” behandelt, schildert das Buch nicht nur das, sondern auch den Feldzug der Menschen auf den verschiedensten Planeten gegen die “Bugs”, eine insektoide außerirdische Rasse. Die Handlung des Buches wurde für den Film regelrecht “eingedampft” – viele Rückblenden im Buch, die die militaristische Gesellschaftsordnung einer fiktiven Zukunft schildern, fehlen im Film völlig oder sind stark verkürzt, teilweise sogar verzerrt.
Als nächstes fällt mir die Beschreibung der “mobilen Infanterie” ins Auge. Im Film ist dies nichts weiter als eine ganz normale Infanterieeinheit (das “Kanonenfutter”), im Buch eine technisch hochgerüstete Einheit mit Kampfanzügen, die die Stärke eines einzelnen Soldaten um ein vielfaches erhöht und mit diversen verschiedenen technischen Hilfsmitteln ausgerüstet ist. Im Gegensatz zu den Soldaten an Bord der Raumschiffe haben sie nur selten Einsätze. Die Hauptarbeit liegt dabei quasi bei der “Weltraummarine”. Dies sorgt gelegentlich für Unmut unter den “Matrosen” gegenüber der mobilen Infanterie, weshalb die MI dazu angehalten wird, auch Aufgaben an Bord der Schiffe zu übernehmen.
Als nächster Unterschied fällt mir die Darstellung der “Bugs” ein. Im Film sind sie einfach dumme Käfer, die nur deshalb den Weltraum bevölkern können, weil sie mit Hilfe von Asteroiden ihre Sporen ins All schleudern. Im Buch hingegen sind sie sogar in der Lage, auf organischem Material basierende Raumschiffe zu bauen. Auch die Darstellung des “Brainbug”, dem “Denkzentrum” des Insektenstaats, ist völlig anders: während er im Film vor Allem dadurch lernt, dass er Menschen regelrecht das Gehirn aussaugt, ist diese Beschreibung im Buch eine vollkommen andere. Der Brainbug im Buch ist ein sehr gebrechliches Wesen, dass von den Arbeitern und Kriegern mit ihrem Leben beschützt wird. Alleine kann es nichts tun. So gesehen sind die “Brainbugs” den “Zerebraten” aus “Starcraft” recht ähnlich.
Auch die Gesellschaftsordnung wird im Film etwas anders dargestellt. Im Film wirkt es selbstverständlich, dass sich Jugendliche nach dem Schulabschluss für zwei Jahre zum Militärdienst verpflichten. In einer Szene wird sogar angedeutet, dass das Elternhaus Strafen ausgesetzt ist, wenn sie es nicht tun. Im Buch hingegen ist der Wehrdienst auf völlig freiwilliger Basis. Jeder hat das Recht, seinen Militärdienst abzulegen und das Militär ist sehr bemüht, die Leute davon abzuschrecken. Grund ist, dass in Robert Heinleins Gesellschaftsvision der Militärdienst die Grundvoraussetzung dafür darstellt, seine Bürgerrechte auszuüben (allen voran das Wahlrecht). Unter Anderem, weil die gesamte Ideologie auf der Ausübung von Gewalt fußt: es gibt keine Gefängnisse, Straftäter werden öffentlich ausgepeitscht, das Wahlrecht wird sogar als “höchste Form, Gewalt auszuüben” betrachtet. All dies kommt im Film leider überhaupt nicht vor, bis auf eine Szene, in der ein Mörder im Blitzverfahren zum Tod verurteilt und im Fernsehen hingerichtet wird.
Es gibt noch viele weitere Unterschiede, vor Allem im Handlungsablauf, aber dennoch ist der Film “Starship Troopers” genauso wie das Buch durchaus einen Versuch wert, zumindest wenn man Science-Fiction mag. Der Film ist über einen Teil zwar ein hirnloses Gemetzel, aber in anderen Teilen wirkt er durchaus positiv und kann auch durch die Bilder überzeugen. Wer aber mehr in die Tiefe gehen will, der ist mit dem Buch, das übrigens eins der umstrittensten Werke von Heinlein ist, besser bedient.
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