Ein Norddeutscher im Exil
Beiträge getaggt mit Berlin
Pro Reli oder Pro Ethik?
25. Apr
Morgen ist es soweit: alle Berliner sind aufgerufen, über ein Volksbegehren abzustimmen, dass vorsieht, Religion wieder zum Wahlpflichtfach zu machen. Bisher sieht es so aus, dass in Berlin das Fach Ethik als Pflichtfach unterrichtet wird und Religionsunterricht lediglich freiwillig dazugenommen werden kann.
Obama-Mania
25. Jul
Am 24. Juli hielt der potentielle Präsidentschaftskandidat der Demokraten, Barack Obama, in Berlin vor der Siegessäule eine Rede.
Obama hat etwas gewagt, was sich vorher noch kein Präsidentschaftskandidat getraut hat: während des laufenden Wahlkampfes Europa zu besuchen. Aber dennoch war es ein kluger Schachzug von ihm, der ihm mit Sicherheit einige Pluspunkte geben wird.
Aber kommen wir nun zur knapp 30minütigen Rede. In dieser relativ kurzen Zeitspanne schnitt Obama sehr viele Themen an, die Europa und die USA spalten: Klimawandel, Kampf gegen den Terrorismus, wirtschaftliche Konflikte, Völkermorde und vieles mehr. Aber er erinnerte auch daran, dass es einmal eine Zeit gab, in der (West-)Europa und die USA Seite an Seite gestanden haben, um ihre Werte und ihren Wohlstand gemeinsam zu verteidigen. Er erinnerte an den kalten Krieg und an die Luftbrücke zur Zeit der Berliner Blockade.
Doch was hat das mit der heutigen Zeit zu tun? Ist das nicht Geschichte? Eigentlich schon: Die Flüge der Rosinenbomber sind 60 Jahre her, der Flughafen, auf dem sie landeten, steht inzwischen unmittelbar vor der Schließung. Die Berliner Mauer ist gefallen, der Kommunismus ist nicht mehr das Schreckgespenst, das die Freiheit bedroht.
Aber dennoch gibt es etwas, was die Situation vergleichbar macht: der Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Obama verglich das Zusammenstehen Europas mit den USA im Kalten Krieg mit dieser Zeit heute. Und er wies deutlich darauf hin, dass die USA es nicht alleine schaffen werden, sondern dass sie Europa brauchen. Bei Bush klang das seinerzeit noch anders, als Verteidigungsminister Rumsfeld Länder wie Deutschland oder Frankreich als "das alte Europa" bezeichnete. Obama macht aber keinen Unterschied, für ihn geht EIN Europa vom Atlantik bis zum Ural.
So schnitt er weiter eine ganze Reihe Punkte an, in denen die Bush-Regierung sich bei den Europäern unbeliebt gemacht hat, und bemerkt treffend, Europa und die USA seien "auseinandergedriftet". Aber staatsmännisch und doch emotional trat er immer wieder dafür ein, diese Beziehung zu kitten und eine neue Zusammenarbeit aufzubauen – und vor Allem, was er immer wieder wiederholte: sich gegenseitig zu trauen.
Für mich hat Obama mit dieser Rede viel riskiert. Es wurde deutlich, dass sich diese Rede nicht nur an die Berliner, die Deutschen oder die Europäer richtet – nein, Obamas Worte wandern genauso in Richtung USA. Sie sind der Appell eines Weltbürgers an die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks, wieder dichter zusammen zu rücken. Gemeinsam eine bessere Welt zu schaffen. Nicht im Kampf gegen- sondern in der Arbeit miteinander.
Auch wenn die Veranstaltung wohl klar inszeniert war und der Ablauf durchgeplant, so hat man doch irgendwie gemerkt, dass Obama da oben nicht nur heiße Luft von sich gibt. Die Rede, die er hielt, hatte eine klare Aussage, sie hatte Substanz. Auch wenn vieles nicht genauer betrachtet sondern nur ein kleiner Überblick gegeben wurde, konnte man schon Obamas potentielle Außenpolitik erahnen, sollte er das Präsidentschaftsamt erreichen: Weniger Konflikt, mehr Verständigung. Ein neues, besseres Verhältnis nicht nur zu Europa, sondern auch zum Rest der Welt. Obama will aus den USA wieder ein Land machen, auf das man stolz sein kann.
Für mich ist dieser Mann ein sehr guter Redner, aber auch menschlich achte ich ihn nach dieser Rede. Ich bin gespannt, ob er sich gegen John McCain durchsetzen könnte – im November wissen wir, ob sein Bemühen Erfolg hat.

