Ein Norddeutscher im Exil
Beiträge getaggt mit Christen
Ein ehrliches Gebet
01. Jul
Beim Wegbegleiter habe ich vor einiger Zeit ein Video entdeckt, das ich so nie erwartet hätte. Es ist ein Song des Rappers Sido mit einem Inhalt, der mich nachdenklich stimmt.
Ich hätte so etwas vom Rapper Sido nie erwartet. Er gibt hier im Grunde seine Erfahrungen mit Gott wieder (in frommen Kreisen sagt man gerne Zeugnis geben dazu). Und die Erfahrungen, die er wiedergibt, treffen mein Herz.
Ich habe diesen Eintrag “Ein ehrliches Gebet” genannt, weil es genau das ist: ein Gebet. Auch wenn Sido im Text etwas anderes behauptet. Für mich ist ein Gebet ein Gespräch mit Gott. Und dieser Gott hört immer zu.
Ich finde es krass, dass Sido in diesem Text genau erkannt hat, wie Gott tickt: bist du agressiv, ja, fängst du sogar an, dich mit Gott zu streiten, sagt er “Macht nichts” und ist immer noch für dich da. Ich habe das selbst schon erlebt. Ich habe Gott schon oft Dinge an den Kopf geworfen, die viele Menschen schwer verletzt hätten. Ich habe ihm vorgeworfen, mich alleine zu lassen und sich nicht um mich zu kümmern. Ich habe ihm sogar an den Kopf geknallt, dass er mich nicht liebt. Für eine Beziehung eigentlich das Todesurteil.
Aber bei Gott ist das nicht so. Er nimmt uns in den Arm, wenn wir ihn beleidigen. Er hört uns an, wenn wir ihm Vorwürfe machen. Er bleibt ruhig, wenn wir uns mit ihm streiten. Und hinterher, wenn wir uns Vorwürfe machen, dass wir diese Dinge getan haben, sagt er: “Macht nichts”. Vergeben und vergessen. Wenn wir, so wie Sido in diesem Lied, mit ehrlichem Herz wieder auf Gott zugehen.
Gleichzeitig macht ausgerechnet Sido es den Christen vor, wie ein richtiges Gebet aussieht. Er betet zwar auch für sich, aber nicht nur. Er sagt Danke für das, was Gott bisher in seinem Leben bewegt hat. Und er bittet Gott darum, anderen seinen Segen zu geben. Anderen so zu helfen, wie er ihm selbst geholfen hat. Vielleicht macht er das, weil er ganz gut erkennen kann, was in diesen Menschen vorgeht, wenn er sagt: “Ich kann sie laut hören. Sie wollen sich mit Dir streiten.” Er bittet Gott, auch ihnen zu helfen. Damit zeigt er das, was viele als die wichtigste Tugend eines Christen ansehen: er zeigt Nächstenliebe.
Sido ist für viele Jugendliche eine Art Idol, soviel ist sicher. Und vielleicht hatte dieser Song ja in Glaubenshinsicht Folgen…
Projekt 42: Salz
17. Mrz
Salz. Dabei denke ich unvermittelt und ohne dass ich etwas dagegen tun kann sofort an Jesu Worte: “Ihr seid das Salz der Erde” (nachzulesen in Matthäus 5, Vers 13). Aber was hat es damit auf sich, wenn Jesus vom “Salz der Erde” spricht?
In der Volxbibel steht die Stelle wie folgt:
“Ihr seid so wichtig, wie Salz wichtig ist für diese Welt. Ohne euch würde nichts mehr richtig schmecken. Das ist so: ihr seid wie ein Kühlschrank für diese Welt, denn ohne euch würde alles vergammeln. Aber wenn Salz lasch geworden ist und nicht mehr salzt, und ein Kühlschrank kaputt ist und nicht mehr kühlt, gehört beides auf den Müll, damit es dort restlos entsorgt wird.”
Im alten Israel um die Zeit Jesu herum wurde Salz nicht nur zum Würzen, sondern auch als Mittel zur Haltbarmachung von Speisen verwendet – hat man Fleisch oder Fisch übrig gehabt, hat man es oft einfach eingesalzen. So wurde das Fleisch oder der Fisch sehr lange haltbar. Noch heute kennt man das als “Pökeln”. Eine Rolle des Salzes zur damaligen Zeit, die aber in der Volxbibel nicht erwähnt wird, ist aber auch das Düngen – konnte man Salz für sonst nichts gebrauchen, so warf man es auf die Felder. In vielen Bibelübersetzungen wird gesagt, dass das Salz “auf die Straße” geworfen wird, wo es die Leute zertreten – es ist also nicht einmal mehr als Düngemittel gut.
Jesus hebt die Rolle der Christen in dieser Bibelstelle hervor. Sie sollen so etwas sein wie die Würze in ihrer Umgebung – Salz würzt das Essen, und oft schmeckt eine Speise ohne zumindest eine kleine Prise Salz nicht wirklich gut. Salz macht also einen deutlichen Unterschied.
Genauso sollen Christen einen Unterschied machen in ihrer Umwelt. Jeder Mensch hat ja sein ganz persönliches Umfeld, in dem er wirken kann. Sei es auf der Arbeit, im Freundeskreis oder in der Familie. Überall begegnen wir Menschen. Zu diesen Menschen bauen wir auch Beziehungen auf, das passiert in der Regel vollautomatisch. Nach und nach bilden sich auch Vertrauensverhältnisse, und mit manchen dieser Menschen sind wir irgendwann eng befreundet. In diesen Beziehungen fangen wir an, einen Unterschied zur restlichen Welt zu machen. Indem wir das leben, was Jesus uns erzählt hat, wirken wir auch auf unser Umfeld. Das heißt jetzt nicht, dass wir sofort rausrennen und jedem von Jesus erzählen (manche haben das Talent, ich nicht) – einfach einen Unterschied in unserer Lebensweise machen reicht oft schon, um Neugier und Interesse zu wecken.
Salz macht aber auch haltbar. Oder wie die Volxbibel als Beispiel nimmt: der Kühlschrank hält frisch. Für uns Christen heißt das auch, dass wir versuchen sollen, seine Botschaft an uns zu bewahren, sie frisch zu halten. Wenn wir das Thema der Beziehungen aufgreifen, dann können wir, wenn wir Neugier über das, was uns prägt, geweckt haben, hier anfangen, von Jesus zu berichten. Eine Botschaft lebt nämlich nur weiter, wenn sie auch weitererzählt wird – Grimms Märchen hätte es nie gegeben, wenn die Menschen früher ihre volkstümlichen Geschichten nicht immer und immer wieder erzählt hätten. Heute fällt es uns viel leichter, Botschaften, Geschichten, Nachrichten aufzubewahren, aber wirklich frisch bleiben diese dadurch nicht – sie “vergammeln”. Nur durch das beständige weitererzählen können wir die Botschaft von Jesus “frisch halten”.
Dann ist da noch die in der Volxbibel leider fehlende Funktion des Düngens. Wenn wir wollen, dass eine Pflanze wächst, müssen wir natürlich dafür sorgen, dass sie genug Nährstoffe erhält – genauso ist es auch im Glauben. Wenn wir in jemandem den Keim des Glaubens gesät haben und er langsam heranwächst, dürfen wir diesen Menschen auch nicht einfach fallen lassen und ihn sich selbst überlassen. Was mit einer Pflanze, die man nicht gießt oder düngt, passiert, ist bekannt – sie verdorrt und vertrocknet, irgendwann ist sie tot. Genauso sieht es mit dem Glauben von Menschen aus. Wenn wir einen Menschen, der gerade anfängt zu glauben, alleine lassen, dann wird sein Glaube eingehen und sterben – nicht wirklich im Sinne des Erfinders. Wir Christen haben also eine dreifache Verantwortung: wir sollen einen Unterschied für unsere Mitmenschen machen, wir sollen ihnen von Jesus erzählen UND wir sollen andere Menschen nicht einfach allein lassen mit ihrem Glauben.
Minarette und Kirchtürme
05. Dez
In Deutschland gibt es ja eine schöne Tradition: Jeden Sonntag Morgen wird geläutet. Von meterhohen Türmen, in deren Inneren sich einige Glocken befinden. Das Läuten ruft die Gläubigen, denn es leitet den bevorstehenden Gottesdienst ein. Und das schon seit hunderten von Jahren. Und jede Stunde läutet die moderne Kirchturmglocke, um den Menschen zu sagen, wie spät es ist.
In islamischen Ländern gibt es auch eine schöne Tradition: Jeden Freitag wird gesungen. Von meterhohen Türmen, an dessen Spitze ein Muezzin steht. Das Singen ruft die Gläubigen, denn es leitet das bevorstehende Freitagsgebet ein. Und das schon seit hunderten von Jahren. Auch zu anderen Tageszeiten ruft der Muezzin, um die Gläubigen an ihr Gebet zu erinnern.
Die beiden Absätze ähneln sich sehr. Denn das muslimische Freitagsgebet und der christliche Gottesdienst sind auch sehr ähnliche Traditionen, für die jeweiligen Gläubigen sind es die wichtigsten Punkte der Woche. Islam und Christentum gehören mit dem Judentum zu den sogenannten abrahamitischen Religionen, was ihre Ähnlichkeit zueinander in der Ausübung ihres Glaubens erklärt.
Politisch gesehen stellen sich den Gläubigen oft Steine in den Weg – in vielen Ländern der Welt werden Christen systematisch oder unsystematisch unterdrückt und verfolgt, in vielen westlichen Ländern sind Muslime inzwischen nicht selten bewussten oder unbewussten Repressalien ausgesetzt, und vom schon jahrhunderte alten Antisemitismus brauche ich ja gar nicht erst zu reden.
In der Schweiz ist vor Kurzem ein Referendum durchgeführt worden, dass genau dies wieder in Erinnerung ruft: die schweizer Bevölkerung hat sich gegen den Bau von Minaretten in ihrem Land ausgesprochen. Diese Entscheidung hat national wie international Einiges an Aufsehen erregt, so zum Beispiel auch in der Türkei. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, dass “die religiösen Minderheiten in der Türkei mehr Rechte als in Europa” hätten und verglich diese Abstimmung der Schweizer mit Faschismus. Damit schwang Erdogan sich zumWortführer der islamischen Welt gegen diese schweizer Entscheidung auf. Aber ist in der Türkei wirklich alles Gold, was glänzt?
Die Türkei steht sehr stark in der Tradition des sunnitischen Islam. Dabei stehen die Religionsgemeinschaften streng unter staatlicher Aufsicht. Für den sunnitischen Islam gibt es in der Türkei sogar eine eigene Behörde, das “Präsidium für Religionsangelegenheiten” (alles nachzulesen hier). Christen hingegen haben es in der Türkei schwer. Obwohl die Region, in der sich die Türkei befindet, einige der ersten christlichen Gemeinden (zum Beispiel in Antiochia, heute Antakya) beherbergte, gibt es in der Türkei heute nur nich knapp 120.000 Christen (0,02% der Gesamtbevölkerung). Obwohl im Vertrag von Lausanne 1923 unter Anderem Christen und Juden Minderheitenrechte zugesprochen wurden (es werden in der Türkei nur die Griechisch-Orthodoxe und die Armenisch-Apostolische Kirche als christliche Konfessionen anerkannt), ist der Gebrauch dieser Rechte durch die türkische Gesetzgebung nur begrenzt möglich. Immer wieder kommt es zu Anschlägen auf Christen (auch Christen aus dem Ausland) oder christliche Einrichtungen. Des Weiteren durften christliche Gemeinschaften in der Türkei lange Zeit keine eigenen Gebäude oder Grundstücke besitzen oder erwerben. Dementsprechend auch keine Kirchen, geschweige denn Kirchtürme, bauen. In diesem Artikel der Stuttgarter Nachrichten erfährt man noch einige andere interessante Fakten.
Und in diese Situation hinein behauptet Erdogan nun, in der Türkei hätten religiöse Minderheiten mehr Rechte als in Europa. Ich sehe das so, als ob jemand im Glaushaus sitzt und dabei mit Steinen wirft. Vielleicht sieht Erdogan die Fälle nicht, in denen Christen in der Türkei Repressalien ausgesetzt sind, vielleicht aber “vergisst” er sie auch völlig absichtlich. Und unter einer solchen Voraussetzung verhandelt die Türkei seit 2005 mit der EU um einen Beitritt.
Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht unbedingt der Ansicht, dass das Ergebnis des schweizer Referendums richtig war (hierzulande kann ich mir z. B. auch nur schwer Minarette mit Muezzinen vorstellen). Es geht mir hier einzig um die Tatsache, dass der Ministerpräsident eines Landes ein anderes für etwas kritisiert, dass in seinem eigenen Land umgekehrt Gang und Gäbe ist. Jesus sagte schon:
“Warum regst du dich über einen Splitter im Auge deines Nächsten auf, wenn du selbst einen Balken im Auge hast? Mit welchem Recht sagst du: ‘Mein Freund, komm, ich helfe dir, den Splitter aus deinem Auge zu ziehen’, wenn du doch nicht über den Balken in deinem eigenen Auge hinaussehen kannst? Du Heuchler! Zieh erst den Balken aus deinem eigenen Auge; dann siehst du vielleicht genug, um dich mit dem Splitter im Auge deines Freundes zu befassen.”
(Matthäus 7:3-5, Neues-Leben-Übersetzung)
Diese Verse kann man prima auf die aktuelle Situation anwenden (und da sage mal einer, die Bibel habe keinen aktuellen Bezug
). Erdogan und die Türkei sollten zunächst die Situation der religiösen Minderheiten in der Türkei (unter Anderem auch der alevitischen Muslime) verbessern, bevor sie andere Länder für ihr Vorgehen kritisiert. Ich beschwere mich doch auch nicht bei meinem Nachbarn, weil er den Rasen wieder nicht gemäht hat, wenn ich selbst meinen Garten verwildern lasse.
Eine Anmerkung sei noch erlaubt: Ich beziehe mich hier einzig und allein auf die Situation von Christen in der Türkei und die Tatsache, dass Erdogan offenbar mit zweierlei Maß misst. Ich wollte nicht in den allgemeinen Tenor “Wie die uns, so wir denen” mit einsteigen, der von diesem Artikel auf Spiegel Online aufgegriffen und kritisiert wird. Obwohl ich gläubiger Christ bin, lasse ich Muslimen ihre Religion und sehe auch nichts Schlimmes dabei, wenn sie diese ausüben – unter der Voraussetzung, dass sie respektvoll mit ihrer Umgebung umgehen. Respektlosigkeit und Intoleranz kann ich übrigens bei Christen auch nicht leiden.
Christival – gefährliche Veranstaltung?
01. Mai
Es gibt da etwas, das mir zur Zeit auf der Seele lastet und worüber ich mir erst einmal Luft machen muss. Denn zur Zeit findet in Bremen das sogenannte “Christival” statt. Unter dem Motto “Jesus bewegt” treffen sich dort Jugendliche aus ganz Deutschland, um gemeinsam Jesus Christus zu feiern und den Kontakt zu anderen Gläubigen zu suchen. Und aus diversen Richtungen gibt es Anfeindungen gegen dieses Festival.
