Ein Norddeutscher im Exil
Beiträge getaggt mit Familie
Getröstet
18. Jan
Es ist jetzt etwa zwölf Jahre her, dass meine Tante gestorben ist.
Als ich ein Kind war, waren wir oft bei meiner Tante. Nicht nur, weil sie Friseurin gelernt hatte und uns immer die Haare geschnitten hat – auch waren meine Mutter und sie beste Freunde. Gleichzeitig war sie diejenige, die alle möglichen Familienfeste organisiert hat und immer irgendwo mit angepackt hatte. Sei es, dass sie beim Kochen geholfen hat, beim Einkauf, beim Dekorieren…
Kurz gesagt: meine Tante war die gute Seele unserer Familie. Oft genug hat sie sich für alles Mögliche ein Bein ausgerissen, und nie kam auch nur irgendein böses Wort über ihre Lippen. Und immer vertraute sie darauf, dass nie der schlimmste Fall eintrat – nach dem Motto: “Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.”
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder: Was werden wir trinken? oder: Womit werden wir uns kleiden? Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden, aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt.
(Matthäus 6: 31-32)
Und danach lebte meine Tante. Und es war wahr. Meine Mutter hatte mir einmal eine kleine Geschichte erzählt:
Es war schon vor vielen Jahren, da rief meine Tante einmal bei uns an. Sie fragte, ob vielleicht einer von uns seine Haare geschnitten bräuchte. Meine Mutter sagte eigentlich nicht, aber sie redete dann noch kurz mit meinem Vater. Der meinte, wir könnten ruhig hin, nächste oder übernächste Woche wären wir eh da gewesen. So fuhren wir hin und wir Kinder haben unsere Haare geschnitten bekommen. Als meine Mutter ihr dann ein wenig Geld dafür gab, sagte meine Tante dann, dass sie deshalb angerufen hatte, weil es bei ihr bis zum Ende des Monats sehr knapp geworden ist mit dem Geld und sie nicht gewusst hättte, wie sie sonst Essen auf den Tisch hätte bringen sollen.
Irgendwann bekam meine Tante dann gesundheitliche Schwierigkeiten. Immer häufiger war sie erschöpft, und viele aus meiner Familie haben gemeint, es liege einfach daran, dass sie nur noch am Arbeiten wäre. Sie müsse einfach kürzer treten, dann würde es schon wieder bergauf gehen. Auf dem siebzigsten Geburtstag meines Opas sah sie dann schon sehr übel aus. Einige hatten gemeint, sie gehöre nach Hause ins Bett, aber sie sagte nur, sie hätte es sich nicht nehmen lassen wollen, den Geburtstag ihres Vaters mit ihm zu feiern. “Wie lange habe ich noch die Gelegenheit dazu?”
Sie sollte Recht behalten – wenn auch auf andere Weise, wie sie es gedacht hatte.
Wenig später ging sie zum Arzt, der sie sofort nach Oldenburg in die Uniklinik einweisen ließ. Diagnose: Krebs, spätes Stadium. Sie wurde dann in ein künstliches Koma versetzt und der Krebs wurde behandelt. Da diagnostizierten die Ärzte dann bei ihr auch noch eine Lungenentzündung. Solange die nicht geheilt war, konnte der Krebs nicht weiter behandelt werden. Und an dieser Lungenentzündung, die sich als sehr hartnäckig herausstellte, ist sie dann gestorben. Ihr Immunsystem war mit dem Krebs UND der Lungenentzündung schlicht überfordert.
Das ist jetzt zwölf Jahre her. Als sie beerdigt wurde, war ich nicht mit auf dem Friedhof, meine Eltern hatten gemeint, es wäre nichts für uns Kinder (ich war zu diesem Zeitpunkt 13 Jahre alt). Auch später war ich nicht an ihrem Grab.
Zehn Jahre hat es gedauert, bis ich mich getraut habe, das Grab meiner TantFamile zu besuchen, zu tief saß die Trauer und zu sehr hatte ich sie verdrängt. Damals war sie mit Ausnahme meiner Eltern der einzige Mensch, mit dem ich ein derart enges Verhältnis hatte. Aber irgendwann habe ich einfach gemerkt, dass ich irgendwann endlich einmal an ihrem Grab gestanden haben musste.
Als ich vor dem Friedhofstor stand, bekam ich Angst. Mir wuchs schon ein Kloß im Hals, meine Knie wurden weich und ich hätte es fast doch nicht fertig gebracht, hinzugehen. Aber als ich mir dann einen Ruck gab, traute ich mich und ging zu ihrem Grab. Als ich da stand, hatte es mich dann getroffen: Mir kamen die Tränen, als ich auf das Grab herunter schaute. Ich ging in die Knie und konnte nur noch weinen. Ich fühlte den ganzen Schmerz, den ich zehn Jahre lang einfach nicht zugelassen hatte.
Da spürte ich auf einmal, wie mich jemand in den Arm nahm. Aber nirgends in meiner Nähe stand jemand. Gott war da und tröstete mich. Er trug mich mit meinen Schmerz und brachte es fertig, dass es mir wieder besser ging. Ich hätte es allein nicht mehr vom Grab weg geschafft, hätte geheult wie ein Schlosshund. aber Gott wischte meine Tränen weg und hielt mich im Arm. Wie ein Vater sein weinendes Kind.
Gott kann in mein Herz blicken und weiß, was mir am Meisten weh tut. Und das ist das Schöne daran. Er ist immer genau dann bei mir, wenn ich alleine nicht weiter kann.
Ich habe mir einmal ein Kärtchen gekauft, auf dem folgende Geschichte steht:
Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn: “Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdeckte ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?”
Da antwortete er: “Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.”
(Margaret Fishback Powers)
Ereignisse…
24. Sep
Ich möchte nicht viel schreiben, und wer mein Twitter-Profil verfolgt, der weiß es auch schon: Letztes Wochenende ist mein Großvater an Krebs gestorben.
Deshalb bin ich hier, in Norddeutschland statt in Wiesbaden. Morgen ist die Beerdigung. Ich hatte nicht die beste Beziehung zu ihm, habe ihn kaum gekannt, aber dennoch ist es nicht einfach, mit diesem Ereignis umzugehen.
Mehr möchte ich aber nicht schreiben, das ist mir dann doch zu privat. Ich hoffe, ihr versteht das.
Urlaubsfazit
06. Aug
- Jede Menge Fotos gemacht
- Zwei schöne und eine nicht ganz so schöne Stadt gesehen
- Die Familie meines Schatzis kennen gelernt
- Den größten Burger meines Lebens gegessen
- Jammin*INC live gesehen und das Album geschnappt
